Analyse: egal ob Diablo 4, oder Remakes: die Rendite muss stimmen

Diablo – Blizzard „arbeitet an Zukunft der Marke“

Blizzcon 2017: Weder zu Diablo 4, einem HD-Remake oder der allgemeinen zur Zukunft der Marke Diablo gab es offizielle Informationen. Ein paar Zeilen eines Interviews mit Blizzard Chef Mike Morhaime lassen jedoch hoffen. Für uns der Anlass einmal zu analysieren, wohin die Zukunft von Diablo führen könnte und wer bei Blizzard überhaupt die Strippen zieht.

Freynan
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Blizzard Präsident Mike Morhaime. Mit der von ihm angsesprochenen "Zukunft der Marke Diablo" könnte auch die Portierung von Diablo 3 für Die Nitendo Switch gemeint sein.(Bild: Blizzard)
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Aus Sicht von Diablo-Fans war die zurückliegende BlizzCon 2017 eine herbe Enttäuschung – obwohl sie von vornherein nichts erwarten konnten. Immerhin machte Blizzard schon im Vorfeld deutlich, welche Rolle Diablo allgemein auf der BlizzCon spielen werde: nämlich so gut wie keine.

Ein Mini Diablo 3 Demo-Stand auf der Messe, etwas Fan-Talk zu Diablo 3 und ein paar Informationen zur Entstehung des Totenbeschwörers, den die Fans überwiegend lieber als Bestandteil eines vollständigen Add-ons gesehen hätten.

Das war Die BlizzCon 2017 aus Sicht der Diablo-Fans.

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Der Messeplan der BlizzCon 2017. Wer etwas zu Diablo 3 entdecken wollte, musste schon ganz genau hinsehen. (Bild: Blizzard)

Insgeheim hätte sich jeder am liebsten die Ankündigung eines richtigen Diablo 3 Add-ons gewünscht – oder noch besser, gleich die eines von Grund auf neu konzipierten Diablo 4.

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Der Diablo 3 Community Talk auf der BlizzCon 2017. Community Manager Brandy Camel diskutiert mit reichweitenstarken Youtubern / Streamern. V. l. n. r.: Rhykker, Leviathan, BigDaddyDen76‏, Lynxaria. (Bild: Blizzard)

Doch nicht einmal die Ankündigung eines Diablo 1 oder 2 Remakes oder wenigstens Informationen, wie es weiter geht mit der Serie, gab es als Almosen für die darbenden Diablofans.

Hilfreiches ➽ Diablo 3 Guides & Tipps

Doch am Horizont glimmt ein Fünkchen Hoffnung

Diablo Entwickler Blizzard könnte die aktive Weiterentwicklung von Diablo aufgegeben haben und sich nur noch auf das Verwalten der Trilogie konzentrieren – des Prestiges wegen, welches den alten Schätzen noch anhaftet“.

So lassen sich die diffusen Befürchtungen so mancher Diablo-Fans auf den Punkt bringen, die schon lange Vergeblich auf ein Statement von Blizzard warten, in welchem der Entwickler sich mal zu den konkreten Plänen bezüglich der Marke „Diablo“ in Zukunft äußert.

Nur bei Blizzard und im Vatikan scheint man sich heutzutage nunmehr zu nichts drängen zu lassen und keinen zeitlichen Druck zu spüren, irgendetwas zu sagen oder zu tun, wo man keine Lust zu hat.

So ist es umso bemerkenswerter, dass niemand geringeres als Mike Morhaime, der aktuelle Blizzard-Präsident und Mitbegründer, sich in einem Interview gegenüber der Website Gameinformer wenigstens zu einem Hoffnung machenden Statement hinreißen ließ.

Auf die Frage, was hinter der Abstinenz der Marke Diablo auf der BlizzCon 2017 stecke, entgegneter er:

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Mike Morhaime – Blizzard Mitgründer und Präsident des Entwicklers und Publishers aus Irvine. (Bild: Blizzard)

„Wir haben alle Leute vorgewarnt [Anm. d. Red.: dass die Marke Diablo auf der BlizzCon 2017 kein Thema sein wird]. Wir lieben die Marke Diablo genauso wie jeder andere. Wir sind der Ansicht, dass es sich [bei Diablo] um eine Kernmarke von Blizzard handelt, über die wir aktuell nachdenken und an deren Zukunft wir arbeiten. Wir sind aktuell nur noch nicht bereit, darüber zu sprechen.“

Was bedeutet das für Diablo?

Auf kurze Sicht können Spieler sich nicht auf ein Diablo 2 HD Remake freuen, nicht auf ein Diablo 3 Add-on und erst recht nicht auf ein Diablo 4. Das sollte jedem klar sein – und das nicht erst seit dem Statement von Morhaime im Interview.

Auf längere Sicht ist Morhaimes klares Bekenntnis zu Diablo als Kernmarke Blizzards Grund zur Freude. Kernmarken gibt man nicht auf, man entwickelt sie weiter. Und genau das ist es, was hinter verschlossenen Türen bei Blizzard geschieht, wenn man Morhaimes Worte nicht in Zweifel zieht. Wozu er selbst bislang jedenfalls keinen Grund lieferte.


Übrigens: Bei Äußerungen von Repräsentanten großer Aktienunternehmen muss man sich stets gewahr sein, dass sie sich mit Bedacht äußern. Wenn es um die die Zukunft des Unternehmens geht, muss höllisch bei der Wortwahl aufgepasst werden. Man bleibt sehr häufig extrem allgemein und unverbindlich. Auch der Konjunktiv wird in solchen Fällen häufig bis an die Belastungsgrenze bemüht.

Selbst wenn Morhaime wüsste, dass man aktuell beispielsweise ein Diablo 4 oder ein Spin-off plant, würde er es nie so sagen. Es könnte ja wieder verworfen oder umkonzipiert werden. Viel zu groß die Chance, sich dadurch etwaigen Fährnissen von Investorenseite auszusetzen, die aufgrund einer solchen Aussage eventuell nicht die Rendite erwirtschaften würden, die sie sich erwarteten.


Warum tut sich Blizzard so schwer mit Diablo?

Über die Gründe, warum Blizzard so elendig lange die Diablo Marke – in der öffentlichen Wahrnehmung – nicht vehement weiterentwickelt hat und über konkrete Zukunftspläne nichts verlautbaren ließ, kann man nur mutmaßen.

Mögliche Gründe, warum man weitere Schritte in Bezug auf die Marke Diablo nur sehr vorsichtig und wohl durchdacht tun will, könnten bereits auf die Entwicklung von Diablo 3 zurückgehen.

  • 2005 wurde bereits eine recht weit entwickelte Diablo 3 Version wieder eingestampft
  • Die 2006 begonnenen Entwicklungen am neuen Diablo 3 zogen sich bis ins Jahr 2012.
  • Zu Release war Diablo 3 für Blizzards-Qualitätsstandards recht verbugged.
  • Viele Features, wie das Arena-PvP oder Talisman-System kamen nie ins Spiel
  • Das Runensystem wurde unzählige Male umgeändert und kam zu Release doch ganz anders.
  • Das revolutionäre aber nicht unumstrittene Diablo 3 Auktionshaussystem wurde wieder abgeschafft.
  • Ein wohl geplantes Vollpreis-Add-on wurde zu einem abgespeckten Totenbeschwörer DLC.
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So sah die das 2005 eingestampfte Diablo 3 aus. 2006 begann Blizzard unter der Leitung von Jay Wilson mit einer komplett neuen Version des Hack’n’Slays. Dieses wurde erst im Mai 2012 veröffentlicht. (Bild: Blizzard North)

Es gibt wohl neben Blizzard keinen zweiten Entwickler und Publisher, der jemals fast 14 Jahre ein Team aus Entwicklern, Designer, Toningenieuren, etc. für ihre Arbeit an einem Spiel bezahlen konnte.

➽ Was viele Spieler nicht wissen: die ersten Arbeiten an ‚Diablo 2.5‚, wie die eingestampfte Diablo 3 Version auch genannt wird, begannen bereits 2001 bei Blizzard North. Das war kurz nach dem Release des Diablo 2 Add-ons Lord of Destruction.)

Als Teil des großen Aktien-Unternehmens Activision-Blizzard, in welchem Blizzard mittlerweile aufgegangen ist, spielt die Spieleschmiede aus Irvine zwar eine Sonderrolle, doch kann der Konzern sicherlich nicht mehr so unwirtschaftlich haushalten.

Möglicherweise liegt hier der Grund dafür, dass die Zukunft des Diablo-Franchises ein gut gehütetes Geheimnis ist.

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Das Blizzard-Imperium ist gewachsen. Diablo, WarCraft und Starcraft müssen sich die Aufmerksamkeit des Entwicklers mit neuen Universen und Genre-Ablegern teilen. (Bild: Battle.net)

 Diablo in Zukunft: Geschäftsmodell als Planungsbasis?

Diablo 3 war – vielleicht seiner langen Entwicklung geschuldet – fast schon ein Dinosaurier, als es 2012 erschien.

Ein lange vorfinanziertes Hauptspiel, was dann mit einem Vollpreis-Add-on daherkommt, entspricht nicht mehr den heutigen Geschäftsmodellen.

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Videospiele sind ein großes Geschäft. Activision-Blizzard ist an der Börse gelistet. Das US-Börsenrecht verpflichtet zu regelmäßigen Veröffentlichungen von bestimmten Berichten. (Bild: Activision Blizzard)

Die Trends der Zeit im Spielegeschäft:

  • Noch mehr Casualisierung (einfacheres Gameplay, nicht so komplexe Spielwelten)
  • Extreme Spezialisierung, aber Finanzierung durch Crowd-Funding
  • Lange Early-Access oder Open Beta-Phasen, bei denen man die Spieler schon einmal für das unfertige Spiel zahlen lässt
  • Game-as-a-Service-Modelle, wo ständig kleinere Inhaltshäppchen nachgeliefert werden
  • Auf Finanzierung durch Shop / Lootboxen ausgelegte Spiele.

Der Weg, den Blizzard wählen wird – und da darf einen auch die nostalgisch verklärte Erinnerung an ein Diablo 1, 2 und in Teilen noch Diablo 3 nicht trügen -, ist einer, bei dem die Wirtschaftlichen Aspekte im Vordergrund stehen werden.

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Lootboxen sind aktuell ein lukratives Geschäftsmodell für Entwickler von Videospielen. Auch Blizzard setzt sie im Team-Shooter Overwatch erfolgreich ein

Aktuell deutet der Diablo 3 Shop in China darauf hin, wo die Reise hingehen könnte. Dort verkauft Blizzard direkt Ingame-Objekte. Auch der Lootbox-Erfolg von Overwatch unterstreicht das.

Du verdienst an Blizzard

Blizzard an sich trägt etwa zwischen 25 und 33 % zur Gesamtbilanz von Activision Blizzard bei. Der Publisher ist auf Erfolgskurs. Seit 2013 kennt die Aktie nur eine Richtung. Das freut die Anteilseigner, bei denen es sich überwiegend um institutionelle Anleger (lediglich etwas mehr als 10% der Activision Blizzard Aktien befinden sich aktuell in Privatbesitz), für die nur eins zählt: die Rendite.

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Traumrenditen für Activision-Blizzard Aktionäre. Seit 2013 hat sich der Börsenwert des Publishers fast verdreifacht. (Bild: Wallstreet-Online.de)

Es ist wichtig zu begreifen, welche Besitzverhältnisse und Interessen hinter der Spieleschmiede stehen, um zu wissen, wohin die Reise geht – möglicherweise auch mit der Marke Diablo.

Daher an dieser Stelle ein stark verkürzter Exkurs in Sachen globalisierte Welt:

Während z.B. hinter Star Citizen eine riesen Fangemeinde und ein enthusiastisches Team aus Überzeugungstätern steht, stehen ganz an der Spitze von Activision Blizzard unter anderem Firmen wie Blackrock (aktuell zweitgrößter Anteilseigner von Activision Blizzard und nicht zu Verwechseln mit dem Gebiet Blackrock in World of Warcraft). Blackrock widerum war übrigens 2014 an allen deutschen DAX 30 Unternehmen beteiligt gewesen und ist mächtiger als alle Diablo 3 Helden zusammen – nur eben in der realen Welt.

Ob du einen Mercedes fährst, einen Brief mit der deutschen Post verschickst oder dir das neue Diablo 3: Rise of the Necromancer Pack kaufst: Blackrock (und die anderen institutionellen Anleger) verdienen am Ende daran.

Und jetzt schließt sich der Kreis: Wenn du z.B. bei der Allianz eine Lebensversicherung abgeschlossen hast, verdient witzigerweise natürlich auch wieder Blackrock daran, weil diese ebenfalls an dem bekannten Versicherungskonzern beteiligt sind.

Doch das Geld, was du in die Lebensversicherung investiert hast, wird von der Allianz widerum in Fonds, Aktien oder sonstige Anlagen gesteckt. Die können theoretisch auch Activision Blizzard-Aktien beinhalten oder Firmen, die Fonds mit Activision Blizzard Aktien aufgelegt haben.

Macht dann Activision Blizzard Gewinne und schüttet diese aus oder werden Aktien des Unternehmens mit Gewinn verkauft, wird daraus deine Rendite aus der Lebensversicherung bezahlt.

Der drittgrößte Anteilseigner von Blizzard, die The Vanguard Group, ist übrigens zu etwas mehr als 5 % an Googles Muttergesellschaft Alphabet und auch an Paypal beteiligt.

Fazit:

Ein neues Spiel im Diablo-Universum – wann es auch kommen mag – wird in allen Belangen sehr viel „moderner“ konzipiert und auf Rentabilität ausgerichtet sein. Als Teil von Activision Blizzard besitzt Blizzard zwar gewisse Freiheiten, doch wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird – und das sind die Aktionäre.

Weitere Quellen: #1, #2, #3, #4,#5, #6, #7, #8 #9


Was denkst du? Bist du eher ein Nostalgiker, der in Zukunft wieder ein Spielgefühl à la Diablo 1 und 2 erleben möchte? Wäre für dich ein Neuzuwachs beim Diablo-Franchise im modernen Gewand lieber oder wärst du schon zufrieden, wenn nur irgendwas neues in der Diablo-Welt angekündigt würde?

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